Japanische und niederländische Auftragsauktionen gibt es theoretisch schon seit Jahrhunderten, sie kamen bisher jedoch recht selten zum Einsatz. In den letzten Jahren haben sie jedoch an Popularität gewonnen.

Aber zunächst einmal – was versteht man unter diesen Auktionstypen?

Auftragsauktionen werden im Allgemeinen als Auktionen definiert, bei denen der Lieferant ein Angebot abgibt, nicht der Einkäufer. Bei niederländischen Auftragsauktionen beginnt der Preis extrem niedrig und steigt in definierten Schritten an – der erste Lieferant, der sich für ein Gebot entscheidet, erhält den Kaufauftrag. Bei einer japanischen Auftragsauktion beginnt der Preis hoch und fällt dann – alle Lieferanten entscheiden in jedem Schritt, ob sie im Bieterkreis bleiben oder aussteigen. Der letzte verbleibende Lieferant erhält den Auftrag.

Eine Auktion wird in der Regel nach einer regulären Ausschreibung oder „RFQ“ (Request For Quotation) ausgeführt. Im Ausschreibungsprozess klären beide Partner die Anforderungen und der Lieferant prüft, ob er die Kapazität hat, das gewünschte Produkt anzubieten. Ein ordentliches Ausschreibungsverfahren ist normalerweise die Voraussetzung für eine Auktion.

Die Vorteile von Auftragsauktionen

Die Vorteile für den Einkäufer bei niederländischer und japanischer Auktionstypen liegen auf der Hand: Sie üben weiteren Druck auf die Lieferanten aus und senken somit den Preis. Der höchste Druck wird während einer holländischen Auktion erlebt, weil die Lieferanten im Gegensatz zu japanischen Auktionen in Unwissenheit gelassen werden: Keine der Parteien, weder die Lieferanten noch die Einkäufer, wissen, welcher Lieferant zuerst sein Gebot abgibt. Während der japanischen Auktion wissen die Lieferanten, dass andere Lieferanten noch im Spiel sind und – abhängig von den Auktionsprämissen – auch wie viele Lieferanten. Die Motivation für solcher Auktionen liegt darin, dass die Einkäufer das Gefühl haben, dass die abgegebenen Gebote zu hoch sind und signalisiert den Lieferanten, dass sich noch andere Lieferanten im Bieterkreis befinden .

Die Nachteile von Auftragsauktionen

Das Hauptproblem ist, dass die Lieferanten unter enormen Druck gesetzt werden. Dies kann dazu führen, dass zu niedrige Angebote abgegeben werden. Solche geringen Angebote könnten mittelfristig zu Problemen führen, da sie für ein stabiles Einkäufer-Lieferantenverhältnis kontraproduktiv sind: Der Einkäufer kann das Preisniveau bei einem Folgegebot nicht halten oder kann sogar zahlungsunfähig werden. Ein solches Szenario kann vor allem in einem stark umkämpften Markt vorkommen.

Niederländische Auktionen haben einen weiteren Nachteil: Die Lieferanten bekommen keine Informationen, ob andere Lieferanten ein Gebot zu einem ähnlichen Preis abgegeben hätten oder ob der Preis viel zu niedrig ist.

Fazit

Japanische und niederländische Auftragsauktionen sind eine gute Maßnahme, wenn der Einkäufer den Verkaufspreis weiter senken möchte. Allerdings empfiehlt es sich gerade bei technischen Projekten, die Auktion erst nach einer regulären Ausschreibung durchzuführen, damit technische Fragen vorab geklärt werden können und der Einkäufer sich einen guten Marktüberblick verschafft.

Andererseits haben Auftragsauktionen immer den Nachteil, dass sie zu viel Druck auf die Lieferanten ausüben. Dies kann die Beziehung zwischen Einkäufer und Lieferanten verschlechtern, so dass eine Auktion nicht immer die beste Lösung ist.

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